Ich glaube, über dieses Rezept werden sich viele freuen.
Mit dieser Hafermilch könnt ihr nämlich in Zukunft Zucker, Zusatzstoffe, Geld und Müll einsparen.

Mit der gekauften Hafermilch war ich unzufrieden (zu viel Zucker), also habe ich lange nach Alternativen gesucht und Rezepte ausprobiert, war enttäuscht und es dann wieder verworfen, aber jetzt hab ich’s!

Sicher, ganz so, wie die gekaufte schmeckt sie nicht (wir nutzen hier auch keine Enzyme und Bindemittel) und etwas Arbeit macht sie auch, aber ich bin jetzt sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Eigentlich haben wir es alle bisher schon richtig gemacht: Hafer und Wasser mixen und dann alles durch einen Nussmilchbeutel oder Tuch geben – und trotzdem kann man dabei vieles falsch machen.

Übrigens,
ich spreche weiterhin von Hafer-MILCH. Alles andere ist mir nämlich zu blöd. ich melke schließlich die Milch aus dem Beutel. 😀

Der Lebensmittelhandel darf das allerdings nicht mehr machen. Im Geschäft müssen die Pflanzenmilch-Varianten zum Schutz der Milch und des Verbrauchers DRINKS heißen. Hafer-Drink, Soja-Drink und Reis-Drink, bis auf Kokosmilch, die darf weiter Milch heißen. Vegane Butter ist Streichfett oder Margarine, veganer Käse ist Schmelz, Erdnussmus ist Erdnussbutter und Leberkäse* bleibt Käse. Alles klar? – Ja, oder? Verrückt!

*ok, Leberkäs(e) kommt nicht von Käse, um die Verwirrung jetzt komplett zu machen.

Das Rezept

Machen wir uns nichts vor: Pflanzenmilch selber herstellen macht mehr Arbeit, als fertige zu kaufen. Erst das Mixen, Filtern und Abfüllen, aber dann auch noch das Reinigen des Mixers und des Nussmilchbeutels. Das alles braucht Wasser und Zeit – und trotzdem finde ich, dass es das auch wert ist. Denn wir können sicher sein, was drin ist, den Zusatzstoffen aus dem Weg gehen und die Umwelt schonen.

Ausserdem ist der Moment, in dem ich die frische Milch in Flaschen fülle, viel zu schön, um darauf zu verzichten. 🙂

Vollwertig ist sie nicht mehr, aber bestimmt eine bessere Alternative, als die gekaufte.

Diese Hafermilch ist dünnflüssiger, als die übliche hausgemachte, und wenn ihr sie in Kaffee oder Tee gebt, flockt sie nicht aus.

Wenn ihr die Milch erwärmt, bleibt sie flüssig. Wenn ihr sie kurz aufkocht, wird sie dickflüssiger und cremiger, aber nicht schleimig. Die Konsistenz ähnelt etwas einem heißen Pudding. Sie müsste eigentlich die optimale Grundlage für Pudding sein.

Ihr könnt euch das genauer in der Videos ansehen.

Überzeugt?
Dann kommen wir als nächstes zu den entscheidenden Veränderungen, die auch selbstgemachte Hafermilch lecker und besser einsetzbar machen.

Die Tricks sind folgende:

  • Sehr kaltes Wasser oder Eiswürfel
  • Sehr kurzes Mixen
  • Kein Einweichen der Haferflocken
  • Kein Quetschen des Nussmilchbeutels
  • Zweimal filtern

Bevor wir loslegen möchte ich noch empfehlen, die Reste der Milch, den nährstoff- und ballaststoffreichen Trester, nicht wegzuwerfen, sondern in anderen Rezepten zu nutze. Ihr könnt den Trester auch einfrieren und später nutzen. In diesem Brotrezept hat er bei mir einen vernünftigen Platz gefunden.

Hafermilch, cremig aber nicht schleimig

Ich stelle euch hier drei Varianten vor, und weiter unten findet ihr ein paar Optimierungs-Vorschläge, mit denen ihr den Geschmack auf eure Bedürfnisse anpassen könnt. Die erste Variante ist durch die Erdmandeln ganz leicht süßlich.

Für ca. 1,5 Liter Hafermilch

1. Variante – süßlich

  • 1,5 Liter Wasser
  • 80g Haferflocken
  • 30g gemahlene Erdmandeln oder Alternative (siehe unten)
  • 1 Prise Salz
  • ca. 5 Eiswürfel oder mehr
  • am besten zwei Nussmilchbeutel

Die Herstellung umfasst 6 Schritte, die alle wirklich wichtig sind. Nur so kommt ihr zu dem gewünschten Ergebnis.

Schritt 1:
500 ml kaltes Wasser mit Erdmandeln und einer Prise Salz 20-30 Sekunden auf Höchststufe mixen.

Schritt 2:
Anschließend 15 Minuten ruhen lassen, so dass die Erdmandeln ihren Geschmack an das Wasser übergeben können.

Schritt 3:
Jetzt 1000 ml kaltes Wasser inklusive 5-6 Eiswürfel und die Haferflocken dazu geben und 30 Sekunden auf Höchststufe mixen. Wirklich nur kurz mixen.

Wenn der Mixer schwächer ist, dann etwas länger mixen und besser mehr Eiswürfel dazu geben. Die Flüssigkeit soll kalt bleiben, sonst kocht ihr Porridge – und Porridge wird schleimig! 🙂

Schritt 4:
Die Flüssigkeit durch einen Nussmilchbeutel geben und dabei nicht quetschen, lieber den Beutel aufhängen und etwas warten. Auf keinen Fall anfangen, den Beutel auszuwringen, denn dann passiert genau das, was wir nicht wollen: Schleimbildung.

Ich bewege den Beutel etwas, indem ich ihn die Naht an einer Stelle nach oben ziehe und so die Flüssigkeit auch an anderen Stellen des Beutels herausfließen kann, an dem sich noch nicht so viel vom Trester angesammelt hat.

Das kann ca. 3 Minuten dauern. Ich hänge dazu den Nussmilchbeutel an den Küchenschrank, damit ich in der Zwischenzeit den nächsten Schritt vorbereiten kann.

Schritt 5:
Den Mixer ausspülen und einen zweiten Nussmilchbeutel bereit stellen, um die Milch noch einmal zu filtern.

Schritt 6:
Die Milch durch den zweiten Beutel in den Mixer filtern und dann in Flaschen abfüllen. Da das mit dem Mixbehälter sehr viel einfacher fällt, als mit einer Schüssel, finde ich es so sehr praktisch.

Dann die Milch kaltstellen und mit dem Aufräumen anfangen. 🙁

2. Variante – Cremiger

Die gleichen Zutaten und Zubereitung, aber die Erdmandeln durch 30g eingeweichte Cashews ersetzten. Die Cashews sollten vorher mindestens 2 Stunden in Wasser gelegt werden, damit sie weich sind. Danach abgießen kurz spülen und in den Mixer geben.

Wenn es schnell gehen sollen, könnt ihr die Cashews auch kurz mit heißem Wasser übergießen. Danach aber unbedingt wieder kalt abspülen, damit sie keine Wärme in den Mixer bringen.

Dafür könnt ihr dann Schritt 2 übergehen. Die Cashews sind durch das Einweichen schon so weich, dass sie sich gut mit dem Wasser verbinden.

Die Milch wird dadurch fettiger und cremiger, aber weniger süß. Abhilfe kann da die dritte Variante schaffen.

3. Variante – Süßlich und cremig

Die gleichen Zutaten und Zubereitung, aber zusätzlich zu den Erdmandeln 30g Cashew dazu geben. So wir die Milch fettiger, cremiger und etwas süßlich.

4. Variante – Süßlich, cremig und Kuhmilch-ähnlicher

Ich weiß, dass die meisten, die auf Pflanzenmilch ausweichen, auf Tierprodukte verzichten wollen.
Vegan ist toll, aber ich bin der Meinung, dass sehr viel weniger Milchprodukte konsumieren ebenfalls große Veränderungen mit sich bringen kann. Diese Varianten enthält 90% weniger Kuhmilch, und das klingt doch auch schon mal phänomenal.

Und wenn dann dieser 90%-Pflanzenmilch-Kompromiss auch noch genial schmeckt, wird es leichter, in die deutlich-weniger-Milch-Richtung zu gehen. Das wird vielleicht einige dazu bringen, die Kuhmilch zu reduzieren. Ich selbst verzichte auf das Milchprotein und will den Konsum der riesigen Milchmengen nicht mehr unterstützen. Wenig Sahne ist da für mich eine vorerst gute Alternative.

Die Premium-Variante
Variante 3 Zubereiten und dann etwas Sahne dazu geben.
Ich mische die Milch in einem Verhältnis von 1:10 mit Sahne. Das macht sie für mich zum perfekten Milchersatz, der ganz bestimmt auch vielen schmeckt, die mit vegan nichts am Hut haben wollen.

Im Folgenden gebe ich euch noch ein paar Tipps, wie ihr die Milch nach euerm Geschmack ändern könnt:

Tipps um die Milch süßer zu machen:

  • Vanille-Pulver, Tonka-Bohne oder Zimt
    Gewürze geben den Eindruck, dass es etwas süßer wird
  • Mehr Erdmandeln
    Sie machen den Geschmack wirklich süßer, erhöhen aber auch den Zuckergehalt.
  • Datteln oder andere Süßungsmittel
    Ich bin damit vorsichtig, aber wenn ihr an mehr Süße gewöhnt seit, ist das nachsüßen möglich.
    Wenn ihr den Trester für Brot verwenden wollt, könnt ihr die Datteln auch im Anschluss in die Milch mixen, aber immer schön aufpassen: Nicht heiß werden lassen, lieber noch ein paar Eiswürfel dazu geben.

Tipps um die Milch noch cremiger zu machen:

  • Einen Teil der Milch aufkochen
    Ungefähr 20%-30% der Milch unter rühren aufkochen und dann unter die restliche Milch mischen.
  • Erdmandeln durch Cashews ersetzen (Variante 2)
  • Etwas mehr Haferflocken nehmen
  • Etwas Sahne dazu geben (Wie in Variante 4)

Die Hafermilch ist gut 3-4 Tage im Kühlschrank haltbar. Ihr müsst allerdings sehr sauber arbeiten, damit sie auch so lange halten kann.

Es gibt ein paar Videos, die mir bei diesem Rezept geholfen haben. Ihr könnt sie hier, hier und hier ansehen.


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