Ach man!
Gekaufte Hafermilch im Tetrapack wird völlig anders hergestellt, als die, die ich mir in der Küche selber mixe (hier beschrieben). Und das ärgert mich! Wirklich. Ich sag euch gleich warum, aber erst mal von Anfang an:

Vor einer Weile hab ich ausnahmsweise mal Hafermilch im Tetrapack gekauft. Auf der Zutatenliste stand: Wasser, Hafer, Sonnenblumenkernöl und Meersalz. Toll! Wie praktisch! Ohne Zucker und sogar mit Meersalz! Ausserdem stand vorne auf der Packung noch mal dick: Ohne Zusatz von Zucker. – Also, ich fand’s gut!

Zuhause öffnete ich die Packung und freute mich wie eine Schneekönigin, denn sie schmeckte so schön süß, ganz ohne Zucker! Oh, lecker!

Ich war also so begeistert, dass ich meinen allgegenwärtigen Vorsatz „Iss vollwertig!“ missachtete. Ich redete mir die leckere Milch schön: „Nur einfach verarbeitet! Zufällig süßer als meine selbst gemachte.“ Meine leise innere Stimme fragte: „Und die 5 Gramm Zucker pro 100 ml in der Liste?“ Ich antwortete ihr irgendwas mit „… natürlicher Zuckergehalt im Hafer“ und ignorierte meinen Zweifel, denn ich war so froh über dieses leckere Geschenk.

OH, MAN! (Moment noch, gleich versteht ihr meinen Ärger.)

Ich fand eine Menge Möglichkeiten, und setzte die Milch gerne ein. Warmer Kakao und Chiapudding zum Beispiel, das schmeckte alles viel besser, als mit frischer Hafermilch.

Etwa zur selben Zeit machte sich seltsamerweise das Zuckermonster wieder bemerkbar. Es schien sich zu regen und ich hatte mit ein paar Zuckergelüsten zu kämpfen. Nach einer Weile und einigen Paketen Hafermilch kniffen mich meine Hosen. Ich besitze schon ewig keine Waage mehr, aber ich bemerkte deutlich, dass ich etwas zugenommen hatte.

Wie war das möglich?

Endlich hörte ich auf diese kleine Stimme, die die Hafermilch anzweifelte und begann nachzuforschen. Mir gefiel nicht, was ich fand:

Um Hafermilch herzustellen wird ein Brei aus Hafer und Wasser (1:10) aufgekocht und anschließend mit Enzymen versetzt, die einen Teil der Stärke in Zucker umwandeln. Diese Stärkeumwandlung entspricht in etwa der Zuckerherstellung in den Raffinerien. In beiden Fällen werden die Bindungen der langkettigen Zucker gelöst und die Stärke zerfällt in einzelne Zuckerbausteine. Die Zuckersorte (siehe Grafik) und Menge lässt sich durch die Art und Anzahl der Enzyme, die Temperatur und Dauer steuern.

Kurz gesagt: ich hätte ebenso gut 50 Gramm (12,5 TL!) Zucker in meinen Liter selbst gemachte Hafermilch geben können und das Ergebnis wäre ungefähr das gleiche gewesen.

Versteht ihr meinen Ärger?
Diese Verfahrensweise muss nicht auf der Verpackung angegeben werden und die Getreidemilch darf mit zuckerfrei beworben werden. Zum einen bin ich sauer über die fehlende Aufklärung auf der Packung, aber zum anderen ärgere ich mich auch über mich selber, dass ich darauf reingefallen bin. Eigentlich weiß ich es besser, aber ich vermute, dass der kleine Zuckerholiker in mir seine Chance genutzt hat.

Und als ob das nicht schon genug wäre: diese Enzyme sind zumeist auch noch auf gentechnisch veränderten Material gewachsen, und auch das muss nicht deklariert werden.
„Lange Zeit war die Stärkeverzuckerung wirtschaftlich kaum interessant. Dies änderte sich, als die zur Stärkespaltung benötigten Enzyme mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen billig, in unbegrenzten Mengen und in der notwendigen Qualität hergestellt werden konnten.“ Quelle 

Aber jetzt ist es auch gut.

In meinem Kühlschrank steht seit einer Weile wieder selbst gemachte Hafermilch und mit diesem Artikel schließe ich das Thema Fertig-Getreide-Milch und den ganzen Ärger ab.

Falls ich mit meinen Nachforschungen falsch liegen sollte, würde ich mich übrigens sehr über eine Richtigstellung freuen – Und auch in anderen Fällen: ich freue ich mich immer über Kommentare! 🙂

Weitere Infos dazu findet ihr hier, hier und hier.

04.02.2017: Hier gibt es eine tolle Pflanzenmilch-Alternative

18.07.2017: Wer zu gekauften Alternativen greifen möchte, kann zuckerfreie Soja- oder Nussmilch-Varianten ausprobieren.

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