Rückfälle bei Zuckersucht? Goldwert!

Rückfälle sind kein Rückschritt!

Ehrlich gesagt kenne ich niemanden, die/der es ohne Rückfälle aus der Zuckersucht geschafft hat. Und auch ich habe sie früher zuhauf erlebt. Danach habe ich mich immer geärgert, dass es schon wieder passiert ist, obwohl ich es mir doch sooo sehr vorgenommen hatte, keinen Zucker mehr zu essen.

Nach und nach habe ich aber verstanden, dass die Rückfälle kein Versagen waren, sondern die beste Möglichkeit, meine Zuckersucht wirklich zu verstehen und schließlich auch zu beenden.

Rückfälle gehören einfach dazu und, obwohl sie auf den ersten Blick frustrierend sind, birgt jeder von ihnen einen Weg aus der Sucht in sich.

Welche Wege das sind, erfährst du in diesem Artikel.

Bewerte Rückfälle positiv – immer!

Das magst du vielleicht noch nicht glauben, aber es ist wirklich hilfreich, Rückfälle positiv zu sehen, sie anzunehmen und als Möglichkeit, durch sie zu lernen, zu betrachten. Das klappt natürlich nur, wenn man seine Energie nicht mit Selbstvorwürfen verpulvert.

Ich habe stattdessen angefangen, die Rückfälle so zu nehmen, wie sie kamen, und aufgehört, mir Vorwürfe zu machen. Ich habe versucht zu verstehen, warum ich wieder zum Zucker gegriffen hatte. So wurden die Rückfälle zu meinem Lehrer, der mir behutsam zeigte, wenn etwas nicht stimmte.

Schmerzhaft wird es eigentlich erst, wenn die Selbstverurteilung startet. “Wieder nicht geschafft! Wieder nicht gut genug gewesen!” Diese Gedanken lösen die Gefühle aus, die dann erneut zum Zucker treiben. Und so geht es in einer Abwärtsspirale immer tiefer in die Sucht.

Versuche diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem du dir den Zwischenfall zugestehst, und öffne dein Herz für dich und die Not, die dich dazu getrieben hat.

Du kannst dich nicht aus dem Suchtverhalten heraus hassen oder verachten, aber heraus lieben, das geht!

Sei achtsam und lerne

Ich habe auf meinem Weg gelernt, dass Nudeln oder Pizza zum Mittagessen den nächsten Wunsch nach Schokolade oder Kuchen triggerten. Es dauerte nie lange, bis meine Hand in die Süßigkeitenschublade fasste. Als ich das erkannte, fing ich einfach an, mein Mittagessen anders zu planen. Eine meine Regeln lautete ab da: kein weißer Weizen, schon gar nicht zum Mittagessen.

Vielleicht kommst du oft nach Hause und musst dann ganz schnelle Kekse – oder ähnliches – essen, kannst es einfach nicht lassen und schon gar nicht bis auf das Abendessen warten. 

Das könnte zum einen daran liegen, dass du zu ausgehungert nach Hause kommst und deshalb in Heißhunger verfällst oder daran, dass dich der Tag überfordert, geärgert oder gelangweilt hat. Vielleicht benötigst du eine Belohnung für all deine Mühe.

Die Lösung könnte in dem Fall entweder ein Snack vor dem Heimkommen sein, eine Umstrukturierung der Arbeit oder vielleicht sogar ein neuer erfüllender Job.

Wir haben also bei jedem Rückfall die Chance, genau hinzusehen und zu lernen – und für das nächste Mal vorzusorgen!

Emotionale und körperliche Auslöser für Rückfälle

Hilfreich ist dabei zu wissen, dass es emotionale Auslöser für einen Rückfall gibt, aber auch körperliche. Wenn du zum Beispiel etwas gegessen hast, das versteckten Zucker enthält, dann kann es schon passieren, dass du bis zu 24 Stunden später vom Zuckermonster zum Naschen überredet wirst. Wenn du in dem Moment unbewusst bleibst, dann überzeugt es dich ganz schnell davon, dass du UNBEDINGT was Süßes brauchst.

Und dann ist es ganz schnell passiert.

Ich habe mit der Zeit viele dieser versteckten Stolpersteine (Tomatensauce, saure Gurken, Hafermilch, etc.) entdeckt, die für Rückfälle sorgen können, und auch durch die vielen Teilnehmer in den Programmen eine große Liste zusammengetragen, die dir heute direkt beim Start helfen kann.

Der Weg muss heute nicht mehr lang und steinig sein, mit der richtigen Unterstützung wird es für dich leichter.

Sei gut zu dir!

Du siehst, Rückfälle sind ganz normal und gehören einfach, so blöd und nervig sie auch sind, dazu. Dieses Video soll dir Mut machen, wenn du vielleicht gerade wieder Süßes gegessen hast und mit dem schlechten Gewissen kämpfst.

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Viele denken nach dem Rückfall, dass jetzt sowieso schon alles verloren ist und man ja auch gleich aufgeben und so richtig reinhauen könnte. Der “Scheiß-Egal”-Effekt: jetzt ist eh schon alles verloren!

Aber das muss nicht so sein. Die Situation ist so, wie du sie siehst!

Zuckerentzug ist nicht einfach. Das hat auch niemand behauptet und deshalb solltest du auch keine übermenschliche Leistung von dir erwarten.

Menschen machen nämlich Fehler. Wir lernen daraus. Wir stehen wieder auf und machen weiter. So lange, bis es klappt. Und auf dem Weg feiern wir unsere kleinen Erfolge.

Lobe dich dafür, dass du den Weg gehst. Mach dir klar, dass du mit jedem Rückfall einen Schritt weiter bist. Das nächste Level ist erreicht und die neue Lernaufgabe steht an! Versuche sie zu lösen und daraus zu lernen. Und wenn es nicht klappt, dann musst du es eben nochmal versuchen.

Du siehst, es ist nur deine Interpretation, die aus den Rückfällen eine negative Sache macht. 

Ich bezeichne sie deshalb auch lieber als “Vorfälle”, als einen Schritt nach vorne!

Du tust wirklich gut daran, wenn du nachsichtig und liebevoll mit dir umgehst. Sei nicht so streng! Urteile nicht zu hart über deine kleinen Ausnahmen. Die sind voll in Ordnung und Teil des Weges. Und wenn du so darüber denkst, kommst du viel schneller wieder in die zuckerfreie Ernährung zurück, als wenn du dich niedermachst.

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