Löwenzahnwurzel-Kaffee

von | 23. August 2015 | 20 Kommentare

Spätestens seit Pusteblumen und Peter Lustig steht Löwenzahn bei mir hoch im Kurs. Und seitdem ich weiß, was diese Pflanze alles kann, bin ich ein richtiger Fan geworden. Löwenzahn ist so gesund, dass er nicht nur ein Lebensmittel, sondern gleichzeitig auch eine wirksame Medizin für viele Leiden ist. Ein heimische Superfood!

Schon beim Betrachten der Pflanze, kann man ahnen, was in ihr steckt: sie ist äußerst zäh und wächst sogar an den unmöglichsten Stellen. Wer einmal versucht hat Löwenzahnpflanzen los zu werden, weiß wie widerstandsfähig sie sind. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelemente und Mikronährstoffen, die sehr gute Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Mit diesem Wildkraut können wir uns ein bisschen seine Zähigkeit zu eigen machen.

Dem Löwenzahn werden zahlreiche Heilfähigkeiten nachgesagt (im Netz gibt es dazu viele Infos, ich gehe hier nur auf ein paar wenige ein). Er regt zum Beispiel den Stoffwechsel an und unterstützt unter anderem die Leber und Galle bei ihrer Arbeit. Diese Wirkung ist für alle interessant, die sich an den Zuckerentzug wagen. Also schauen wir uns das einmal genauer an:

11_löwenzahn

Durch einen regelmäßigen Zuckerkonsum wird die Leber stark belastet, denn nur sie kann die isolierte Fructose abbauen, die wir mit dem Haushaltszucker zu uns nehmen. Bei häufigem Zuckerkonsum kann sich – wie bei Alkoholikern – eine „Fettleber“ entwickeln. (Die Fettleber ist die derzeit häufigste chronische Lebererkrankung und ein Vorbote des sogenannten metabolischen Syndroms.)

Verzichten wir für einen Zeitraum auf Zucker, wird die Leber anfangen, sich zu regenerieren. Das heißt, sie erneuert sich und entgiftet dabei. Der Bitterstoff Taraxacin im Löwenzahn verstärkt die Gallensekretausscheidung, die wiederum die Arbeit der Leber beim Fettstoffwechsel sehr ankurbelt und die Regeneration beschleunigt.

Löwenzahn stärkt ausserdem die Bauchspeicheldrüse, hilft Giftstoffe leichter auszuscheiden und fördert einen besseren Ausgleich des Blutzuckerspiegels – alles Mechanismen, die uns beim Zuckerentzug helfen können.

12_pusteblume

Bitterstoffe sind also sehr hilfreich für unser gesamtes Verdauungssystem, aber sie schmecken uns oft nicht besonders. Wie kann das sein? Ich vermute, dass wir mit der Zeit von Bitter entwöhnt wurden. Denn während unser Kulturgemüse so gezüchtet wurde, wie es jetzt aussieht, wurden die bitteren Helferlein nach und nach entfernt. Unser Geschmackssinn konzentrierte sich nicht nur dadurch Richtung Süß.

Heute wird den wenigsten ein Löwenzahnblatt auf Anhieb schmecken. Schade eigentlich, denn besonders für uns Zuckerfreunde würde es sich lohnen! Die Bitterstoffe können nämlich neben all den anderen Vorteilen den Heißhunger auf  Süßes dämpfend. Wir könnten sogar schneller satt werden, da das Geschmackserlebnis durch diese zusätzliche Note intensiver wird (siehe auch in der ayurvedischen Küche).

Mit ein bisschen Geduld ist es allerdings möglich, die verkümmerten Geschmacksnerven für Bitter wieder zu wecken. Für den Anfang kann man sich zum Beispiel eine Tasse leckeren Löwenzahnwurzel-Kaffee zubereiten. Er duftet toll, schmeckt kaum bitter und erinnert sogar wirklich etwas an Kaffee.

Und er als Kaffee-Ersatz noch einen weiteren Vorteil liefern: Koffeinhaltiger Bohnenkaffee fördert bei vielen leider den Süßhunger. Mit Löwenzahnwurzel-Ersatzkaffee kann der Körper einerseits schneller entgiften und andererseits den Entzug unterstützen, denn der kräftige, würzige Geschmack vertreibt eine aufkommende Lust auf Süßes sehr schnell. Bei mir funktioniert es sehr gut!

Und noch kurz vorweg, bevor ich zum Eigentlichen komme: Die Wurzeln bieten eine viel größere Wirkstoffdichte als die Blätter, die wir leider durch die Hitzebehandlung etwas mindern. – Aber weniger ist besser als gar nichts, oder?

So, nach so vielen Worten hier endlich das Rezept:IMG_8862

Löwenzahnwurzel-Kaffee

  • Löwenzahnwurzeln

Löwenzahnwurzeln sammeln.

Am besten sucht man die dicksten, dann hat man beim Putzen weniger Arbeit. Sie verstecken sich unter den größten Pflanzenbüscheln. (Wer diese und nun folgende Arbeit umgehen möchte, kauft sich einfach getrocknete Löwenzahnwurzeln im Kräuterladen oder bestellt sie irgendwo im Netz. Dann musst du sie nur noch rösten, siehe weiter unten.)

Am besten sucht ihr nicht an Flussufern, Straßenrändern oder neben stark gedüngten Feldern, da an diesen Stellen die Pflanzen meist stark belastet sind.

Die Wurzeln säubern und unter Wasser abbürsten. Wenn sie sehr stark verschmutzt sind, einfach in grobe Stücke teilen und in einer Schüssel mit frischem Wasser aneinander reiben, bis nach mehreren Spülgängen das Wasser klar bleibt. Danach in kleine Stücke zerteilen und trocknen lassen. In der Sonne kann das 2-3 Tage dauern, im Ofen geht es schneller.

LZ Wurzel LZ Wurzel geschnittenLZ Wurzel trocknen

Danach können die Wurzeln geröstet werden. (Hier können die Wurzel-Käufer wieder in das Rezept einsteigen.) Dafür eine Pfanne ohne Fett erhitzen und die Stücke unter ständigem umrühren rösten, bis sie braun werden. Etwas Rauch wird aufsteigen und ein starker Röstgeruch wird das Haus befallen, aber das ist nicht unangenehm. 🙂

Es muss sehr achtsam geröstet werden, damit die Stücke nicht verbrennen. Wenn ihr gekaufte Wurzeln verwendet, werden vermutlich auch viele sehr kleine Stücke in der Packung sein. Damit sie nicht verbrennen, gebe ich alles nach 2-3 Minuten durch ein Sieb und röste die dickeren Stücke ein zweites mal.

LZ in der Pfanne LZ geröstet im Sieb

Nach dem Rösten müssen die Wurzeln nur noch soweit zerkleinert werde, dass ein Pulver entsteht. Mir machen allerdings kleiner Stückchen im Pulverkaffee nichts aus, da sie im aufgegossenen Kaffee nach einer Weile auf den Grund der Tasse sinken – wie beim türkischen Mocca. Einmal umrühren, warten und fertig.

LZ im Glas LZ geröstet und gemahlen

Für alle anderen heißt es: möglichst stark zerkleinern oder den Kaffee vor dem Trinken noch einmal durch ein Sieb gießen.

Pro Tasse ungefähr ein gehäufter Teelöffel in eine Kanne geben und mit siedend heißem Wasser aufgießen. 3-4 Minuten warten und genießen. Schmeckt auch mit (Pflanzen-)Milch.

IMG_8860

Ich bin gespannt, ob ihr es mal ausprobiert, oder ob ihr den Kaffee bereits kennt. Habt ihr eine Wirkung bemerkt? Kann er euch helfen? Ich freu mich über jeden Kommentar 🙂

 

 

  • Sam Choi sagt:

    Boah, wow! Ich hätte nicht gedacht dass ich den so lecker finde! Ich war erstaunt dass er so lieblich schmeckt, hab ihn mit ein halben Teelöffel Kokosöl, Lebkuchrngewürz und Reisdrink genossen. Nachdem ich mir einen ganzen Morgen die Fingern wund gegraben hatte, und am Ende nur zwei Teelöffel getrockneten Wurzel raus bekommen habe, habe ich einfach bei Amazon bestellt. 😁 Hab ihn in Ofen auf 160 grad circa 5 Minuten geröstet, das hat gereicht. Die Küche roch so lecker. 😍Dann in die Kaffeemühle gemahlen. Werde ich jetzt viel öfters machen. 🙏🏻☺️

  • Rolf Bormuth sagt:

    Ein super Artikel,

    ich verwende Löwenzahn auch gerne, als Salat und die Blüten zerkleinert als wie ich finde weltebeste Marmelade. (Kein Gelee, ich meine wirklich Marmelade)

    Ersatz Kaffee habe ich mit Loquat Samen ausprobiert. Duftet und schmeckt toll.

    Werde das wohl mit Löwenzahnwurzeln auch mal ausprobieren.

  • Sigrun sagt:

    Seit einiger Zeit trinke ich auch ab und zu den Löwenzahnwurzel-Kaffee. Ich röste ihn in der Heißluftfritteuse, die ich seit kurzem habe. Das geht sehr gut. Außerdem macht es dem Kaffee nichts aus, wenn man ihn einfach aufkocht.

  • Sarina sagt:

    Hi,

    da ich gesundheitsbedingt meinem geliebten Heißgetränk abschwören musste, probiere ich derzeit mögliche Alternativen aus. Ich muss sagen der Löwenzahn Kaffee kommt dem ‚echten‘ Kaffee noch recht nah 🙂 prima Rezept übrigens. Klappt sehr gut – wobei ich die Wurzeln auch gekauft habe 🙂

  • Isabel sagt:

    Tolles Rezept! 🙂 Ich habe es noch nicht selbst probiert.
    Ich schreibe gerade einen Blogbeitrag über Muckefuck auf einer englisch-sprachigen Seite in den sozialen Medien (WeChat) in China.
    Daher wollte ich fragen ob ich deine Bilder in meinen Beitrag einfügen dürfte?
    Ich werde natürlich auf deine Seite verlinken und dich als Quelle nennen.

    • zuckermonster sagt:

      Ja, das darfst du gerne machen. Verlink den Beitrag doch auch hier in den Kommentaren, damit ich auch mal reinsehen kann. 🙂

  • Ariane sagt:

    Ich habe schon Löwenzahn-Espresso genossen. Der steht dem „echten“ Espresso in nichts nach! Sehr lecker. Allerdings scheue ich mich vor der vielen Arbeit (Wurzeln sammeln, säubern etc.). Evtl. werde ich die Alternative mit den gekauften Wurzeln ausprobieren.
    Als Kaffee-Ersatz trinke ich gerne Lupinen-Kaffee. Der ist auch sehr lecker & bekömmlich. Da ich an Glutenunverträglichkeit leide kann ich den bekannten Kaffee-Ersatz zum Aufbrühen nicht trinken.

    • zuckermonster sagt:

      Ich nutze auch gekaufte Wurzeln, aber da sind oft sehr kleine Stücke in den Packungen, die schnell anbrennen.

      • Gabriela sagt:

        Hallo, ich nutze Süsslupinen als Kaffeersatz von Naturata ,geschreddert zum filtern oder in der iatl. Expressomaschine (für den Herd) oder schnell mal instant. am Besten bei der Firma bestellen sonst gibt es nur Getreidekaffee

        Und Super habe soooo viel Tips bekommen obwohl ich dachte ,dass ich es schon sei ZUCKERFREI VIELEN DANK

  • Jolana sagt:

    Ich mahle die getrocknete Würzel und mache mir Espresso im Kaffeeautomat! Es ist herrlich!

  • marcel matti sagt:

    sehr schöner beitrag danke! 🙂 ich bin auf ihn gestossen weil ich in bälde auch diesen kaffee trinken werde, zu mindest versuchen 🙂 (von normalem kaffee bin ich schon länger ganz los.. hat ja in vielerlei hinsicht nur negative punkte!)

  • Sabrina sagt:

    Ich habe zum Räuchern Löwenzahnwurzel gesammelt. Dass man Löwenzahnwurzeln als Kaffeeersatz genommen hat, weiß ich, ich hab es aber vergessen, und da ich über deinen Blog gestolpert bin, habe ich ihn gleich ausprobieren müssen. Es war genau für eine Tasse genug da. Ich muss sagen ich bin positiv überrascht. ich trinke ihn gerade mit etwas Milch, der Geschmack ist meiner Meinung nach eine Mischung aus Tee und Kaffee. Ich mag den Geschmack! Werde mir Löwenzahnwurzelsammeln rot im Kalender anstreichen. 🙂

  • Britta sagt:

    Ich habe es nicht ausprobiert, kann mir aber vorstellen, dass man den Löwenzahnkaffee auch im Teebeutel ziehen lassen kann. Dann sollten die Stückchen so gut wie weg sein.

    Schöner blog übrigens. Danke für die Anregungen.

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